Robust anlegen

Wie langfristige Geldanlage gelingt

Potenzielle Krisenherde gibt es derzeit genug: Italiens Schuldenproblem und die daraus erwachsenden Probleme für die Eurozone. Der Handelsstreit zwischen den USA und dem Rest der Welt, meist vertreten durch China. Die nicht enden wollende Diskussion um den Brexit. Eine wieder aufflammende Eskalation in der Ukraine. Oder die steigenden Leitzinsen in den USA sowie der starke US-Dollar, der zu einem Problem für Emerging Markets werden könnte, die überwiegend in Dollar verschuldet sind. „Die jüngsten Entwicklungen machen vielen Anlegern schmerzhaft bewusst, dass die Börse keine Einbahnstraße ist“, sagt Christian Sperling, zertifizierter Finanzplaner im Hause der Volksbank Vechta.

Es wird ungemütlicher an den Finanzmärkten. Nach fast zehn Jahren Aktienhausse sorgen sich Investoren, dass es jetzt einmal wieder stärker nach unten gehen kann. Die Nervosität steigt. Zumal der Blick zurück auch wenig Anlass zur Beruhigung gibt. In den konjunkturellen Abschwungphasen seit 1960 büßte beispielsweise der deutsche Leitindex DAX im Schnitt jeweils rund 40 Prozent seines vorangegangenen Rekordstands ein.

Des Weiteren werfen vermeintlich sichere Anlageformen in Zeiten extremer Niedrigzinsen keine auskömmlichen Erträge ab. Zudem müssen die langfristigen Folgen von lockerer Geldpolitik, gewaltigen Schuldenbergen und ungelösten Strukturproblemen berücksichtigt werden.

Besonders betroffen sein könnten von dieser Ausgangslage die direkten Aktieninvestments. Dies ist zwar kein Grund, jetzt überstürzt Aktienpositionen zu verkaufen. Denn wer zu früh abspringt, verpasst eventuell weitere Gewinne. Sie könnten aber ein Anstoß sein, über Absicherungsstrategien nachzudenken. Gerade jetzt sollte sich jeder Anleger bewusst sein, dass zu jeder Zeit Risikomanagement wichtig ist. „Einer der häufigsten Fehler, den private Investoren machen, ist, sich auf eine bestimmte Anlage festzulegen und sich dann überhaupt nicht mehr darum zu kümmern“, sagt Christian Sperling. Er rät dazu, in regelmäßigen Abständen eine Bestandsaufnahme zu machen.

Danach ist zu entscheiden, was zu tun ist. Zum Beispiel wäre bei einem Aktiendepot eine Absicherung gegen Kurseinbrüche einzuziehen. Auch Privatanleger haben die Möglichkeit, dies in ihren Depots relativ einfach durchzuführen. Mit Zertifikaten können sie beispielsweise Risiken aus den Portfolien nehmen ohne auf Rendite verzichten zu müssen.
Manchmal reicht es aber auch, Stoppkurse zu setzen. Bei deren Unterschreiten wird das Papier automatisch verkauft. „Auf diese Weise können Sie sicherstellen, dass Sie nicht den kompletten Absturz mitmachen". Und damit handeln Anleger nach der Börsenweisheit „Verluste begrenzen und Gewinne laufen lassen.“

Für alle diejenigen, die nicht direkt in Einzelaktien investieren möchten, gibt es eine Vielzahl an Alternativen. Wir sind überzeugt, dass der Vermögenserhalt und -zuwachs mit einer robusten Anlagestrategie gelingen kann. Mit einer Strategie, die aktiv ist, kaufmännisch geprägt, die klaren Regeln folgt verschiedene Anlageklassen berücksichtigt und das Chance-Risiko-Verhältnis bei jeder Anlageentscheidung prüft.

Volatile Märkte erfordern eine hohe Flexibilität in der Anlagestrategie. Zugleich gilt es aber, möglichst robuste Strukturen in den Depots zu schaffen, die auch in unterschiedlichen Szenarien gut wirken. „Wichtigstes Ziel einer langfristigen Finanzplanung ist es natürlich, das Vermögen so aufzustellen, dass es Krisen weitgehend unbeschadet übersteht“. Nur wer auf die Qualität seines Portfolios und deren Bestandteile vertrauen kann und dabei einen langfristigen Anlagehorizont hat, muss Turbulenzen nicht fürchten.