Unternehmerforum "AGRAR" am 18. November 2014 in Rehden

 

Wachstum mit Grenzen

7. Unternehmerforum Agrar der Volksbanken und Landwirtschaftskammer: „Land- und Veredlungswirtschaft der Zukunft“

Mit 550 Teilnehmern stark besucht und mit einer beeindruckenden Rednerliste besetzt präsentierte sich das 7. Unternehmerforum Agrar in der Dreifeld-Sporthalle in Rehden.

Die Organisatoren – die Volksbanken der Region, federführend vertretend durch die Volksbank Vechta und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Nienburg- hatten die Tagung unter die Überschrift „Land- und Veredlungswirtschaft der Zukunft – Wachstum mit Grenzen“ gestellt.
Wohin geht die Reise für die Betriebe unserer Region, welche Entwicklungen sind für nachfolgende Generationen möglich? Ludger Ellert, Vorstand der Volksbank Vechta, eröffnete die Veranstaltung. „Das diesjährige Unternehmerforum fällt in eine Zeit, in der die aktuellen Rahmenbedingungen mit dem Landesraumordnungsprogramm, den Marktpreisen und der Diskussion um das Tierwohl unsere Betriebe vor große Herausforderungen stellen. Mit dieser Veranstaltung wollen wir nach vorn schauen und Lösungsansätze andenken.“

Ludger Ellert

Moderiert von Henrich Meyer zu Vilsendorf, Leiter der Bezirksstelle in Nienburg, setzte Kreislandwirt Wilken Hartje in seinem Grußwort erste durchaus nachdenkliche Akzente. Er hinterfragte kritisch die aktuellen Entwicklungen, denen die Landwirtschaft heute ausgesetzt ist. Dabei bezog er sich nicht nur auf äußere Rahmenbedingungen, sondern auch auf die Mentalität unter den Berufskollegen. Ist Wachstum um jeden Preis sinnvoll und notwendig?


Trotz sehr unterschiedlicher Ansätze zeigten alle Referenten Lösungsansätze und Wege auf, die auch der heimischen Landwirtschaft in Zukunft Möglichkeiten bieten. Prof. Dr. Dr. Radermacher, Professor für Datenbanken und künstliche Intelligenz, warf dabei seinen Blick weit nach vorn und in die gesamte Welt. „Die Weltbevölkerung wird 2050 auf 10 Milliarden Menschen angewachsen sein und braucht ausreichend Nahrungsmittel. Diese können in genügendem Umfang produziert werden, allein die Verteilung stellt eine riesige Herausforderung dar. Die großen Bereiche Klima und Energie sind die anderen Baustellen, die lokal nicht gelöst werden können. Wir werden in Zukunft die Herausforderungen nur bewältigen können, wenn es gelingt, weltweit an einem Strang in die gleiche Richtung zu ziehen, so der Experte, und wie schwierig sich das gestaltete, dürfte jedem klar sein“.


Marktexperte und Ökonom Dr. Hortmann-Scholten, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, warf einen Blick auf die europäischen Märkte und deren Perspektiven. „Landbewirtschaftung und Tierhaltung müssen im gesellschaftlichen Kontext stattfinden. Wachsen mit Grenzen ist möglich, die Zeichen stehen auf Konsolidierung.“ Denn nur bei gesellschaftlicher Akzeptanz würden sich neue Perspektiven für den Absatz von tierischen Lebensmitteln in den gesättigten westeuropäischen Märkten eröffnen. „Unzufriedenheit und die Suche nach den neuen Möglichkeiten zeichnen einen erfolgreichen Unternehmer aus“, so Arnold Krämer, Leiter der Bezirksstelle Emsland der LWK „und diese Eigenschaft muss bei Entscheidungen mit Bedacht eingesetzt werden.“ Es gibt keine andere Branche, die so kapitalintensiv ist wie die Landwirtschaft. Der Betriebswirtschaftler ist sich sicher, dass es keine Grenzen des Wachstums geben wird, da es keine Grenzen des Lernens gibt – allerdings wird die Entwicklung in der Landwirtschaft künftig langsamer und sicher auch anders aussehen.

Vor dem Hintergrund der zahlreichen Diskussionen um Tierwohl und Tierschutz ist der Minister a. D. Uwe Bartels überzeugt, dass es eine nationale Gesamtstrategie geben muss, um die Herausforderungen Ernährung, Energie, Klima und Tierhaltungen in den Griff zu bekommen. Er verwies in diesem Zusammenhang auf das Positionspapier des Agrar- und Ernährungsforums.

Minister a. D. Uwe Bartels

Von den Entwicklungsschritten der letzten 20 Jahre und dem was er künftig plant, berichtete der Schweinehalter Dirk Frahne aus Goldenstedt. Er ging dabei intensiv auf die jeweiligen Überlegungen zur Stabilität, Rentabilität und explizit die eigenen Lebensziele ein. „Worauf willst du zurückblicken, wenn du 80 oder 90 Jahre alt bist“, fragte er die Anwesenden, „auf noch mehr Gewinn und viel Arbeit, oder auf Erinnerungen an gemeinsame Zeiten und Erlebnisse mit den Kindern, der Frau oder Freunden?“

Dirk Frahne

Dr. Martin Kühling, Vorstand der Volksbank Vechta, schilderte die Begleitung von Betriebsentwicklungen aus Bankensicht und machte das am Betrieb Frahne deutlich.

Dr. Martin Kühling

Mit Emma aus Emsdetten hatten die Veranstalter für einen Abschluss nach Maß gesorgt. Mit markanten, lebensnahen und überspitzten Schilderungen nahm sie so manche Up-To-Date-Bewegung aufs Korn und strapazierte dabei Lachmuskeln und Kopfkino der Gäste.