Volksbank Vechta bietet digitalen Assistenten

Kreditinstitut hat einen „Robo-Advisor“ eingeführt

Vermögensverwaltung übernimmt bei MeinInvest ein Algorithmus

Die Volksbank Vechta hat ihr Angebot im Netz um einen digitalen Anlageassistenten erweitert. „MeinInvest“ heißt die automatisierte Vermögensverwaltung. Das Angebot zählt zu der Gruppe der sogenannten Robo-Advisor. Die Volksbank Vechta gehöre zu den Vorreitern bei der Einführung dieses Angebots, sagt Dr. Martin Kühling, Vorstand der Volksbank Vechta. Auch wenn es der Name Robo-Advisor anders suggeriert, die Anlageentscheidung trifft kein Roboter, sondern ein Computerprogramm. Abhängig von der Risikoaffinität sowie der Anlagehöhe und Anlagedauer berechnet ein Algorithmus die passende Anlagestrategie – und passt diese auf Basis aktueller Kapitalmarktentwicklungen an. Der von der Volksbank Vechta genutzte Robo-Advisor wurde von der VisualVest GmbH entwickelt. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft der Union Investment habe das Produkt in der Pilotphase von Juli 2017 bis April 2018 mit rund 50 Banken getestet, sagt Markus Temme, Pressesprecher von Union Investment. Es gebe bundesweit eine starke Nachfrage nach dem digitalen Vermögensverwalter. Inzwischen würden 157 Volks- und Raiffeisenbanken den Service im Netz anbieten. Vor allem Kreditinstitute in Mittel- und Süddeutschland stehen auf der Anwenderliste. Im Nordwesten haben beispielsweise die Volksbank Dammer Berge sowie die Volksbanken in Wilhelmshaven und Delmenhorst-Schierbrok und die Raiffeisen Volksbank Varel-Nordenham den neuen Dienst in ihr Angebot aufgenommen. Die Nutzung sei sehr einfach, sagt Bernard Vocke, Vermögensberater bei der Volksbank Vechta: „Unser digitaler Anlageassistent erfragt zum Beispiel Personendaten, den angestrebten Anlagezeitraum sowie die Risikoneigung eines Kunden und schlägt ihm dann auf Basis seiner individuellen Angaben eine passende Geldanlage vor.“ Das Anlageportfolio bestehe aus aktiv verwalteten Fonds unterschiedlicher Anlageklassen wie zum Beispiel Aktien, Anleihen, Geldmarkt und Rohstoffe, sagt Vocke. Ab einem monatlichen Mindestbetrag von 25 Euro oder mit einem Einmalbetrag von 500 Euro kann der Service genutzt werden. Der Privatanleger muss dafür nicht Kunde der Volksbank Vechta sein. Finanziert wird die digitale Dienstleistung durch eine Servicegebühr sowie durch Gebühren für die verwendeten Produkte, also beispielsweise Fondsgebühren. Anders als bei anderen Anlageformen kann das Geld jederzeit wieder abgerufen werden. Die ersten hundert Kunden würden bereits das neue Angebot nutzen, sagt Vorstand Kühling. Davon hätten viele schon Wertpapiererfahrung. Auffällig sei, dass sich die Nutzer im Netz aber durchaus risikofreudiger zeigten und auch höhere Beträge anlegen würden, als es ihnen ein Berater standardmäßig vorschlagen würde, hat Kühling beobachtet. „Die klassische Beratung wird ihre hohe Bedeutung in der Volksbank weiterhin beibehalten“, sagt er. Dennoch wandele sich durch die Digitalisierung das Berufsbild – vom Berater zum Finanzcoach, der den Kunden bei verschiedenen Finanzfragen zur Seite steht.

Dr. Martin Kühling, Herbert Hermes und Bernard Vocke